Die Geschichte der Synagoge

Synagoga pod Białym BocianemEines der historischen und kulturellen Phänomene Wrocławs ist seine Multikulturalität. Auf dem Gebiet sich verändernder staatlicher Konstellationen überdauernd und an Handelswegenund den Wegen der Völkerwanderungen liegend, wurde Wrocław über Jahrhunderte hinweg zum zu Hause und zur Heimat verschiedenster Völker und Konfessionen. Einen der bedeutenden Faktoren zur Entwicklung der Stadt an der Oder, zu einem Ort des ‚genius logi‘, stellten beinahe von Beginn der Geschichte Wrocławs an, die Juden dar. Das vor kurzem 800-jährige Bestehen der Jüdischen Gemeinde in Wrocław, welches sich auf ihre dokumentierte und aktive Präsenz bezieht, hinterlässt keine Zweifel, dass ihre Geschichte noch weiter zurück reicht.

Diese Präsenz, obgleich unterbrochen von Verfolgung und Vertreibung, war für die Stadt und ihre Entwicklung von existentieller Bedeutung, anfangs vor allem wirtschaftlich. Diskriminierung und Isolierung erschwerten die Einbindung der jüdischen Bevölkerung ins politische und kulturelle Leben. Die Situation änderte sich mit der Einbindung Wrocławs in das dynamische und zu seiner Zeit moderne Preußen. Kurz darauf sollte das goldene Zeitalter der deutschen Juden beginnen.

Snagoga pod Białym Bocianem

Das Ende des 18. Jahrhunderts, für die Polen mit den tragischen Teilungen verbunden, war in Preußen die Zeit der Fortschritte der Aufklärung. Ein Effekt dessen war die Emanzipation der Juden, deren Rechte schrittweise mit den Rechten der christlichen Bevölkerung des Königreichs gleichgesetzt wurden. Ausdruck dessen war der 1790 gemachte Vorschlag eines Ministers Schlesiens, und zwar des Grafen Karl Georg Heinrich von Hoym, welcher sich auf den Bau einer allgemein zugänglichen Synagoge, welche der gesamten jüdischen Gemeinde nutzen sollte, bezog. Sie sollte alle in der Stadt verstreuten Gebetshäuser und privaten Synagogen vertreten. Die Idee wurde aufgrund des mangelnden Interesses der zu dieser Zeit immer noch dominierenden orthodoxen Juden dennoch nicht realisiert. Die Emanzipation wurde von ihnen als Gefährdung ihrer religiösen Identität wahrgenommen.

Synagoga pod Białym BocianemDer Druck der Macht in Berlin verstärkte sich trotz jüdischem Widerstands. Der Widerstand, abgesehen von den konservativen jüdischen Kreisen, entstand auch aus dem Mangel an finanziellen Mitteln, sowie aus dem weiterhin –trotz Versprechen nicht geregelten Status des Judaismus in der preußischen Konstitution. 1820 erzwang die Regierung in Berlin eine endgültige Entscheidung über den Bau der Synagoge, wofür zwei Jahre eingeplant wurden. Von 1819 bis 1820 wurden sogar erhebliche Summen für die Realisierung des Projekts gesammelt und die Lokalisierung des Gotteshauses auf dem Grundstück an der Antonienstraße 35 (heute ul. św. Antoniego 35) gesichert (dort stand zuvor die Wirtschaft zum Weißen Storch, von der die Synagoge ihren Namen „erbte“). Der Plan für die Architektur war ebenfalls fertig. Dieses Mal führten die religiösen Streitigkeiten innerhalb der stark gespaltenen jüdischen Gemeinde zum Einstellen des Bauverfahrens.

 

Das Projekt des Baus einer repräsentativen Synagoge lebte 1826 aufgrund der Initiative liberaler Juden, welche sich in der ersten Bruderschaft sammelten, erneut auf. Die Arbeiten am Bau begannen ein Jahr später. Der Name des Investors, Jakob Philip Silberstein, sowie des Bauleiters der aufeinanderfolgender Maurermeister Schindler und Tschok und der des Bauführers Thiel schrieben sich für immer in die Geschichte dieses Unterfangens ein. Auch der ausgezeichnete deutsche Architekt Carl Ferdinand Langhans, der die Skizzen für die Synagoge entwarf, ging in die Geschichte ein, er orientierte sich am Vorbild des schlesisch-preußischen sakralen Baustil des 18. Jahrhunderts.

Die erste Gestaltung ihres Inneren verdankte die Synagoge dem Maler Raphael Biow. Der erste Gottesdienst fand am 10. April 1829 statt und 13 Tage darauf wurde die Synagoge feierlich eröffnet. Über die folgenden 18 Jahre hinweg fungierte sie als privates Gotteshaus, bis sie 1847 Haupt- und allgemeinzugängliche Synagoge wurde, was der wachsenden Stärke und Bedeutung der liberalen Fraktion der jüdischen Gemeinde Wrocławs entsprach.

Im Jahre 1872 entstand die Neue Synagoge am Nicolai-Stadtgraben (heute ul. Podwale), welche zum Zentrum der Liberalen Juden wurde – und die Synagoge zum Weißen Storch beherbergte weiterhin die konservativen Juden. Die religiösen Bestimmungen zur Trennung der Geschlechter während des Gottesdienstes störten den harmonischen Bau durch das Hinzufügen von vier Aussentreppen, welche zur Galerie der Frauen führten. Die auf 12 Säulen gestützte hölzerneEmpore wurde 1905 durch eine von Paul und Richard Ehrlich gestiftete neoromantische Frauengalerie aus Stahlbeton ersetzt. Eine bedeutende und radikale Modernisierung der Synagoge erfolgte zum Anlass ihres 1oo-jährigen Bestehens . 1929 wurden die Fassade und der Innenraum erneuert, es wurden eine Zentralheizung und elektrische Beleuchtung installiert, und schließlich – im Zentrum der Synagoge das Almemor (auch Bima)gebaut.

Während der Reichspogromnacht vom 9. Auf den 10. November 1938 zerstörten die Kampfgruppen Hitlers das Äußere der Synagoge. Durch ihre Nähe zu den benachbarten Gebäuden wurde sie nicht in Brand gesetzt, was sie vor einer völligen Zerstörung bewahrte (welches Schicksal dagegen die Neue Synagoge erlitt). Eine gewisse Zeit nach einer provisorischen Absicherung lang, diente sie konservativen und liberalen Juden und Jüdinnen. 1943 nutzten die Nazis das Innere der Synagoge als Autowerkstatt sowie als Lager für die geraubten Habseligkeiten der Juden. Ein Teil der originalen Ausstattung unterlag damals der Zerstörung. Im Hof der Synagoge wurde der Hauptsammelplatz für die Deportation der Wrocławer Juden (in die Konzentrationslager) eingerichtet. Der Hof wurde zum Wrocławer Umschlagplatz. Die deutschen Juden verschwanden aus Wrocław – sie wurden umgebracht oder im besten Falle über die ganze Welt verstreut.
Synagoga pod Białym BocianemSchon am 13.August 1945 wandte sich das jüdische Komitee in Wrocław , dessen Repräsentanten hier vor allem aus dem Osten kommende überlebende polnische Juden waren, an den Präsidenten der Stadt Aleksander Wachniewski mit der Bitte um die Rückgabe der Synagoge, welche zu dieserZeit von der Industriemiliz genutzt wurde. Nach ihrer Wiedererlangung wurde sie von der „Kongregacja Wyznania Mojżeszowego“ (Kongregation der mosaischen Offenbarung in Wrocław ) renoviert sowie erneut dem religiösen Gebrauch zugänglich gemacht.

Trotz weiterer Wellen jüdischer Emigration aus Polen, der diskriminierenden Politik der Regierung und randalierenden Aktionen „unbekannten Ursprungs“, was den Verfall der Synagoge zur Folge hatte, diente die Synagoge noch in der 1. Hälfte der 60er als religiöser Ort und Treffpunkt mehrerer tausend Juden Wrocławs. Im Jahre 1966, auf den desaströsen Zustand der Synagoge verweisend, erwirkte die Regierung die Schließung. Als Resultat des Eingreifens der Kongregation erlaubte die Regierung fast ein Jahr später die Nutzung des unteren Teils der Synagoge, aber das nur zu bestimmten Feiertagen. Bald wurde der Abriss der Häuser, die die Synagoge umgaben, abgeschlossen. Das Gebäude der Synagoge , der natürlichen Umzäunung beraubt, wurde so zum noch leichteren Ziel für Randalierer. Ständig neunherausgeschlagene Löcher beschleunigten den weiteren Verfall.

Synagoga pod Białym BocianemDas Jahr 1968 war ein weiteres schwarzes Jahr in der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wrocław und ihrer Synagoge. Die letzte Welle der jüdischen Emigration, zu bedeutendem Maße von der antisemitischen Kampagne erzwungen, führte zur Einstellung der Gottesdienste in der Synagoge.

Im Jahre 1974, auf der Grundlage der Gesetze zum hinterlassenen ehemals deutschen Eigentum, wurde die Synagoge in die Staatskasse aufgenommen und im gleichen Jahr der Wrocławer Universität zugewiesen. In ihrem Inneren sollten die Bibliothek, Lesesäle sowie Vorlesungsräume Platz finden. Die im Jahre 1976 begonnenen und kurz darauf niedergelegten Anpassungsarbeiten, führten nur zum größeren Verfall des Gebäudes. Mit dem Kauf durch das Zentrum für Kultur und Kunst, wurde die Synagoge mehrere Jahre lang zum Ort künstlerischer Auftritte. Die weitere Zerstörung – hauptsächlich von zwei Bränden verursacht – führte zum erneuten Wechsel des Besitzers. Welcher im Jahre 1989 die Wrocławer Akademie für Musik wurde, einen Konzertsaalplanend. Nach der Entfernung des Daches wurde selbst von jeglichen weiteren Arbeiten abgelassen und die Synagoge, ihrem Schicksal ausgeliefert, verfiel endgültig zur Ruine. Des weiteren, seit 1992 in privatem Besitz, unter dem keinerlei Arbeiten zum Erhalt durchgeführt wurden, saugten sich die Wände weiterhin mit Feuchtigkeit voll, was das Abfallen des Putzes und der Verzierungen zur Folge hatte.

Synagoga pod Białym BocianemTrotz politischer Veränderungen und dem erneuten Wohlwollen der demokratischen Regierung Wrocławs, vergingen noch ein paar Jahre bevor die Synagoge zum Weißen Storch wieder in rechtmäßigen Besitz gelangte – in den Besitz der Wrocławer Juden. Bedeutend zu diesem Schritt trug der damalige Erzbischof und Wrocławer Kardinal Henryk Gulbinowicz bei – durch sein Zureden kaufte das damalige Ministerium für Kultur und Kunst die Synagoge und übergab sie am 10. April 1996 der wiedergeborenen Jüdischen Gemeinde in Wrocław. Am 24. September 1995 fand zum ersten Mal seit Jahren ein Gottesdienst zum Anlass des Rosch ha-Schana- Festes in der zerstörten Synagoge statt, an welchem ungefähr 400 Personen teilnahmen. Damals sang zum ersten Mal der Chor der Synagoge zum Weisen Storch unter der Leitung von Stanisław Rybarczyk.

Synagoga pod Białym BocianemIm Mai 1996 begann die von der Stiftung für polnisch-deutsche Zusammenarbeit finanzierte erste Phase der Renovierungsarbeiten an der Synagoge, welche den Wiederaufbau des Daches zum Ziel hatte. Die zweite Phase gewährleistete die Absicherung der noch erhaltenen Teile des Gebäudes und die Ausarbeitung weiterer Renovierungspläne, welche dem Erhalt der Ikonographie gerecht werden sollten. 1998 wurde die dritte Phase abgeschlossen- die Ausbesserung gerissener Mauern und der Decke des Hauptschiffes, die Rekonstruktion der Fensterrahmen, der teilweise Bau neuer Treppen sowie die Errichtung einer Umzäunung. Die Zuwendung aus Mitteln der KGHM Polska Miedź S.A. ermöglichte die Verputzung.

Am 8. November 1998 ,zum Anlass des 60. Jahrestages der Reichspogromnacht, fand in der Synagoge ein feierlicher Gottesdienst zum Gedenken der Opfer dieses tragischen Ereignisses statt. Diese Feierlichkeit war gleichzeitig die Krönung der damaligen Bemühungen um die Rückgabe und Rettung der Synagoge, was vor allem die Frucht der Mühen und Anstrengungen von Jerzy Kichler war, des damals Vorsitzenden der jüdischen Glaubensgemeinde.

Im Jahre 2005 konnte dank Mitteln des Stadtrates der Fußboden in der Synagoge verlegt, sowie das Terrain vor der Synagoge in Ordnung gebracht werden. Die Umzäunung und der provisorische Parkplatz wurden entfernt und der Platz stattdessen bepflanzt.

Synagoga pod Białym BocianemAm 7. Mai 2005 wurde das Zentrum für jüdische Kultur und Bildung durch die Wrocławer Abteilung des Verbandes der Jüdischen Glaubensgemeinden der Republik Polen ins Leben gerufen und von der Bente-Kahan-Stiftung verwaltet. Bente Kahan, eine hervorragende norwegischjüdische Künstlerin, welche seit 2001 in Wrocław lebt, ist die Direktorin des Zentrums sowie die künstlerische Direktorin der Synagoge. Die Bente-Kahan-Stiftung erwirkte zusammen mit der Wrocławer Abteilung des Verbandes der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen mit vereinten Kräften die Renovierung der Synagoge zum Weißen Storch. In den Jahren von 2006 bis 2008 wurde aus städtischen Mitteln die südliche Fassade der Synagoge erneuert und der Toraschrein restauriert. Der Keller wurde trocken gelegt und Arbeiten zum Schutz des Gebäudes vor Feuchtigkeit wurden durchgeführt.

Das 2006 durch das Zentrum für jüdische Kultur und Bildung- gemeinsam mit der Gemeinde Wrocław- und geleitet durch die Bente-Kahan-Stiftung errichtete Konsortium bemühte sich erfolgreich um beträchtliche finanzielle Mittel für die komplette Restaurierung und Renovierung der Synagoge zum Weißen Storch und deren Vorhofs. Die Kosten der im Herbst 2008 begonnenen und im Frühjahr 2010 beendeten Renovierungsarbeiten in Höhe von ca. 10 mio. Złoty wurden aus Mitteln der EEA Grants ( dies sind Mittel aus dem Europäischen Wirtschaftsraum an (außer-)europäische Staaten, welche das oben genannte Konsortium im Wettbewerb von Projekten für die Renovierung von historischen Objekten gewann. Der Disponent des polnischen Teils des Grants ist das Ministerium für Kultur und Nationalerbe), der Gemeinde Wrocławs und des Besitzers- des Verbands der Jüdischen Glaubensgemeinden der RP, finanziert.

Synagoga pod Białym BocianemDie Synagoge erfüllt seitdem nach wie vor ihre religiöse Funktion und verstärkte ihre Rolle als modernes Zentrum der Kultur und Bildung auf internationalem Gebiet durch die Eröffnung des Jüdischen Museums in Wrocław auf den Balkonen der Synagoge. Die Stadt gewann somit vollkommen den jüdischen Teil ihrer Seele zurück.

Schon seit ein paar Jahren ist die Synagoge zum Weißen Storch also nicht nur Ort religiöser Praxis, sondern auch ein sich dynamisch entwickelndes Zentrum jüdischer Kultur, in welchem zahlreiche Ausstellungen, Konzerte, Vernissagen, Theaterauftritte, Workshops und Treffen stattfinden. Dies ist auch der guten Akustik, sowie der Größe der Synagoge zu verdanken (sie fasst mehrere hundert Menschen). Seit 1999 finden hier monatliche Hawdala-Konzerte statt- in Form von Klezmer, Synagogenmusik, jüdischer klassischer Musik oder Kantorenliedern. Das alljährliche Festival der jüdischen Kultur „Simcha“ zieht traditionell ein zahlreiches Publikum an. Beide Veranstaltungen werden von Stanisław Rybarczyk und Karolina Szykier, von der Pro-Arte-Stiftung, organisiert.

Eine erhebliche Belebung der Synagoge bewirkte die Eröffnung des Zentrums für Bildung und jüdische Kultur im Jahre 2005. Genug einige der Projekte zu erwähnen, die zu bedeutenden Teilen von der Bente-Kahan-Stiftung organisiert werden:

Der jährliche „Sommer der Musik“ , eine all-sonntäglich stattfindende Konzertreihe mit Musik jüdischer Komponisten oder Komponisten jüdischer Herkunft, vom Jazz bis zur Oper. Die Konzerte werden von Workshops für israelischen Tanz begleitet, welche von Małgorzata Rzempołuch geleitet werden.

Der alljährliche Tag Israels, welcher der Wrocławer Gesellschaft Israel näher bringen soll. Der Tag ist gefüllt mit Theater, Film, Musik, Workshops, Ausstellungen, kleinen Märkten und Lesungen.

Synagoga pod Białym BocianemTheateraufführungen – sowohl öffentliche als auch nur für Schulen. Fest ins Repertoire integriert ist das reiche musikalische Schaffen von Bente Kahan: so z.B. die Stücke „Głosy z Theresienstadt”(„Stimmen aus Theresienstadt“), „Wallstrasse 13” und „Home” , welche die dramatischen und verwickelten Schicksale der Juden auf dem Plan der europäischen Geschichte und der Wrocławs thematisieren.

Ausstellungen, Workshops.

Feierlichkeiten zu Jahrestagen, besonders umfangreich in der künstlerischen Ausführung wird der Jahrestag der Reichspogromnacht begangen, welcher mit dem Gedenkmarsch zu dem Ort endet, wo 1938 die Neue Synagoge niedergebrannt wurde.

Feierlichkeiten und Konzerte zu besonderen Anlässen, darunter vor allem die feierliche Verleihung der Medaille „die Gerechten unter den Völkern“ und die Feierlichkeiten zum Jahrestag des Märtyrertods des „Freiwilligen nach Ausschwitz“, des Rittmeisters Witold Pilecki erwähnt werden sollten.

Die Synagoge gehört zum sogenannten Stadtteil der vier Gotteshäuser (auch öfters als Stadtteil des gegenseitigen Respekts bezeichnet), zu welchem außerdem die russisch-orthodoxe Kirche „Narodzenia Przenajświętszej Bogurodzicy“, die römisch-katholische Kirche „św. Antoniego z Padwy‘, sowie die evangelisch-lutherische Kirche „Opatrzności Bożej“ gehören. Die Zusammenarbeit unter den Kirchen entstand im Herbst 1995 aus der Initiative von Jerzy Kichler. Die Gläubigen der vier Konfessionen organisieren gemeinsame karitative Veranstaltungen, Lernveranstaltungen für Kinder sowie ökumenische Gebete. Dieser Stadtteil verknüpft so die in der Stadt vorhandene kulturelle und religiöse Vielfalt. In diesem Ansinnen wurde auch der Wrocławer Tag des Gegenseitigen Respekts organisiert, der zum Teil auch in der Synagoge zum Weißen Storch gefeiert wurde- ein Tag, welcher Vernissagen, Theateretüden und Diskussionen Jugendlicher beinhaltete.

Synagoga pod Białym BocianemDas Abschließen der Renovierung der Synagoge zum Weißen Storch und die folgende Rekonstruktion und Anpassung ihrer Umgebung , sich in den Raumordnungsplan des Stadtteils des gegenseitigen Respekts einfügend, eröffnete neue, weite Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der bisherigen Tätigkeiten und Realisierung neuer Vorhaben. Das Schaffen und Vorhaben fügen sich in die Wrocławer Strategie des „offenen Ort der Begegnung“, der Stadt der Toleranz und des interkulturellen Dialogs. Die Synagoge zum Weißen Storch und ihre Umgebung stellen einen natürlichen Schwerpunkt des Stadtteils dar- sowie auch eine der größten Attraktionen der Stadt, Touristen aus Polen sowie des Auslands anziehend. Die Bente-Kahan-Stiftung, unterstützt von der Gemeinde Wrocław und dem Verband der jüdischen Gemeinden in Polen, hat eine klare Vorstellung von der zukünftigen Funktion der Synagoge. Geleitet von der Bente-Kahan-Stiftung stärkt das Zentrum für jüdische Kultur und Bildung die Position der Synagoge zum Weißen Storch als eines der attraktivsten geistlichen Zentren der Stadt und des Landes, seine Tore weiter öffnend für Konzerte, Theatervorstellungen und-Workshops, Filme, Lesungen, Seminare und so weiter. Dieses Herz jüdischen Lebens inmitten Europas, Ort des gegenseitigen Respekts und Verständnisses, wird bald noch stärker schlagen!

Dies begünstigend ist das neuerrichtete moderne Jüdische Museum, das sich im Gebäude der Synagoge befindet, und seit 2012 in Wrocław eröffnet ist. Das Museum umfasst die geräumigen Emporen der Synagoge auf deren erster und zweiter Etage. Treppenaufgänge und ein Eingang an der Nordseite gewähren das Betreten der Synagoge ohne die sakralen und kulturellen Plätze in der Synagoge zu stören. Das Museum zeigt die reiche und einmalige Welt der schlesischen Juden und derer 1000-jährigen Geschichte, die neuesten Holographie-Techniken verwendend. Es bietet auch Räumlichkeiten für Wanderausstellungen, Vorträge und Workshops. Das Museum stellt nicht nur eine touristische Attraktion dar, sondern ist auch wichtiges Element in einem Bildungsprozess, der vor allem auf Jugendliche zugeschnitten ist. In nächster Umgebung der Synagoge soll jedoch im Sinne ihrer geistlichen Bestimmung das internationale Zentrum für jüdische Studien, sowie die Einrichtung „KOD – Kultura – Obecność – Dialog” (Kultur- Präsenz – Dialog) entstehen.

Die Synagoge zum Weißen Storch schreibt sich für immer in das Bewusstsein der BewohnerInnen Wrocławs, sowie Polens und Europas ein, und das nicht nur durch ihre wiedergewonnene Schönheit, sondern auch, wenn nicht vor allem, dank ihrer kulturschaffenden Bedeutung, in Harmonie religiöse und weltliche Funktionen verbindend.

Das ist das Ziel, welches Menschen anstreben werden, die offen sind für den kulturellen und historischen Reichtum. Und es wird weiteren Generationen den Reichtum und die Komplexität der Tradition lehren, ihnen gleichermaßen die deutliche Botschaft der Toleranz und Solidarität weisend.

Text: Aleksander Gleichgewicht